LIEBE | SEXUALITÄT

»Ich möchte einfach ganz normalen Sex«

Nahezu kein anderer menschlicher Verhaltensbereich ist von so schillernde Mythen geprägt, wie die Sexualität. Werbung und Medien vermitteln Bilder von perfekten Körpern und leidenschaftlicher Sexualität. Sie nähren und erzeugen Vorstellungen von einem naturgegebenen und normal-funktionierenden Liebesverhalten an dessen Endpunkt der erfüllte Orgasmus steht.

Aber ist das wirklich die „ganz normale Sexualität“? Die Wirklichkeit in deutschen Schlafzimmern sieht anders aus. Rund 14% der Frauen klagen über Schmerzen beim Sex, ca. 15 % der Männer leiden unter Erektionsproblemen, 24% der Männer und 51% der Frauen schildern zu selten Lust am Sex zu haben. Insgesamt klagen 56% der Männer und 67% der Frauen über sexuelle Probleme (Hauch, 2020). Auch das was sich Menschen unter Sexualität vorstellen, ist durch die Gewichtung der Dimensionen Körperlichkeit, Kommunikation, Intimität, lustvolles Erleben und Fortpflanzung ganz unterschiedlich und damit individuell.

Sexuelle Probleme können auf verschiedene Ursachen zurückgehen, wie z.B. ungelöste Konflikte, unbewusste Belastungen aus der Kindheit, prägende negative Erlebnisse oder auch persönlichkeitsbedingte Faktoren. Daraus können Schwierigkeiten in der sexuellen Identität, in der partnerschaftlichen Kommunikation und Intimität, oder auch körperliche Störungen resultieren.

Die Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten und Symptomen der Sexualität kann helfen Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen. Sie ist eine Chance für das Paar und den Einzelnen, sich weiterzuentwickeln.

Eingefahrene Verhaltensweisen oder Vermeidung sind meist langjährige Versuche, um sich mit schambesetzten, sexuellen Problemen nicht weiter auseinandersetzen zu müssen. Ziel der Paar- und Sexualtherapie ist es diesen Kreislauf zu durchbrechen und einen passenden Weg zu finden, lustvolle Intimität zu leben.


Appetenz- (Mangel-) und Aversionsprobleme:  mehr oder weniger ausgeprägter Verlust des Verlangens,  oft mit Angst und Furcht einhergehend.


Dypareunie:
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Vaginismus: Spasmen der Vagina.

Nicht organischer Vaginismus ist ein Spasmus der die Vagina umgebenden Beckenmuskulatur, wodurch es zum Verschluss der Vagina kommt. Ein Eindringen ist dann unmöglich oder schmerzhaft. Sexuelle Reaktionen können normal verlaufen, wenn ein vaginales Eindringen nicht versucht wird. Vaginismus als spezifische Form der Penetrationsabwehr führt zu generalisierter Angst und dem Versuch das Eindringen zu verhindern.

Es wird zwischen primärem und sekundärem Vaginismus unterschieden. Bei primärem Vaginismus gab es schon immer krampfartige Schmerzen in der Vagina, z.B. um sich ein Tampon einzuführen oder beim ersten Koitus. Hinzu kommen meist Ängste vor Schmerzen, inneren Verletzungen der Scheide und des Hymens. Sekundärer Vaginismus entsteht zu einem späteren Zeitpunkt, z.B. nach einer ersten schmerzhaften Penetration, aber auch eine schwere Geburt, Dammverletzungen, Operationen im Intimbereich, traumatische Erlebnisse wie Gewalterfahrungen, sexueller Missbrauch können hier die Ursachen sein. Einmalige oder wiederholt schmerzhafte Koitus-Erfahrungen können schleichend zu spastischen Verkrampfungen führen.

Mögliche Begleiterscheinungen des Vaginismus sind: Kieferprobleme, Muskelkrämpfe in anderen Körperregionen, Verspannungen, Reizdarm, Harnwegsinfektionen, häufige Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane, Schmerzen beim Stuhlgang, Schmerzen bei der Menstruation, Ängste, Stress, Nervosität, usw. Vaginismus kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Manche Frauen können eine gynäkologische Untersuchung durchführen lassen, aber keinen Geschlechtsverkehr haben. Andere können beides nicht und bei einigen kann schon die Antizipation einer Penetration ausreichen, um den Vaginalreflex auszulösen . Organische Ursachen sind im Vorfeld gynäkologisch abzuklären.


Bei Frauen mangelnde Lubrikation und Anschwellung der äußeren Genitalien; bei Männern fehlt eine adäquate Erektion. Ausserdem Orgasmusstörungen. Bei Männern als Unterform Ejaculatio praecox (verfrühte Ejakulation).

MÖGLICHE ANSATZPUNKTE
IN DER THERAPIE

Die Therapie wird individuell auf die Problematik und Bedürfnisse abgestimmt. Folgende Punkte könnten z.B. dabei mit einfließen:

  • Störungen der Sexualität analysieren und verstehen
  • Unbewusste Konflikte und traumatische Erfahrungen bearbeiten
  • Schmerz-Angstreaktionen und Vermeidungsverhalten explorieren
  • Männliches und weibliches Lustempfinden unterscheiden
  • Paargespräche
  • Mit praktische Übungen neue Erfahrungen sammeln
  • Selbstwert, Körperlichkeit und eigene Wünsche entdecken
  • Achtsamkeit und Akzeptanz lernen
  • Kommunikation verbessern

>> Mehr Informationen zum Behandlungsschwerpunkt: Vaginismus